Auszüge aus dem unabhängigen Gutachten
Die Interessensgemeinschaft für nachhaltigen Mobilfunk in Waldmössingen hat bei dem öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen Dr. Peter Nießen ein Gutachten zu möglichen Mobilfunkmast-Standorten und deren Effizienz betreffend der Mobilfunkversorgung in Waldmössingen in Auftrag gegeben.
Das Gutachten zeigt deutlich, dass es mehrere geeignete Standorte für Waldmössingen gibt, die sowohl mindestens 500 Meter von der Wohnbebauung entfernt sind als auch Waldmössingen mindestens genauso gut oder sogar besser mit Mobilfunk versorgen als der geplante Standort an der Kastellhalle. Insbesondere der Standort zwischen Waldmössingen und Winzeln würde für beide Gemeinden gleichzeitig die Mobilfunkversorgung sicherstellen.
Überblick aller Standort-Varianten
Alle Standorte, die im Folgenden in Betracht gezogen werden, sind in diesem Lageplan verzeichnet:
- BS01 Wasserturm (aktuell vorhandener Mast)
- BS02 Heiligenbronn (bereits bestehender Mast auf dem Dach der Berufsschule)
- BS03 Lehen (möglicher Standort zwischen Heiligenbronn und Waldmössingen)
- Bs04 Kastellhalle (geplanter Standort der Telekom)
Mögliche Alternativstandorte:
- Bs05 und BS06 nahe Römerkastell
- BS07 Landstraße zwischen Waldmössingen und Winzeln
- BS08 Nähe Kapelle nordwestlich von Waldmössingen
- BS09 östlich von Waldmössingen an der Biogasanlage auf einem Hochspannungsmast
Aktuelle Situation
Die Mobilfunkversorgung des Ortsteils Waldmössingen der Gemeinde Schramberg erfolgt bisher im Wesentlichen durch den südöstlich des Ortes gelegen Standort BS01 (Wasserturm). In dieser Karte ist gut zu erkennen, dass das Ortszentrum von Waldmössingen sowie die nördlich und östlich davon gelegenen Gebiete durch diesen Standort nicht versorgt werden. Dies ist auf eine topographische Erhebung im Ort zurückzuführen, die auf der Höhenvisualisierung im Lageplan gut zu erkennen ist.
Vorschlag Netzbetreiber Telekom
Zur Verbesserung dieser Situation plant der Netzbetreiber Telekom am östlichen Ortsrand von Waldmössingen einen Mobilfunkmast (ca. 20 m Höhe) in der Nähe der Kastellhalle. Das durch diesen Standort erreichbare Versorgungsgebiet ist in dieser Karte dargestellt. Aus der Karte ist gut zu erkennen, dass dieser (topographisch niedrig gelegene Standort) wegen der umliegenden Erhöhungen nur einen kleinen Teilbereich seiner Umgebung vollständig erreichen kann.
Betrachtet man diesen Standort zusammen mit dem vorhandenen Standort BS01 (Wasserturm), so zeigt sich, dass damit zwar die meisten Versorgungslücken geschlossen werden können, aber gerade im Ortszentrum (südlich der Kirche) ein schlecht versorgter Bereich verbleibt, der von beiden Standorten nicht in direkter Sicht erreicht werden kann.
Betrachtet man größere Masthöhen am Standort Kastellhalle zusammen mit dem Wasserturm, so wird diese Versorgungslücke zwar kleiner, verschwindet aber auch bei 40 m Masthöhe nicht. Angesichts der geringen Entfernung zur umliegenden Wohnbebauung hat die Masthöhe am Standort Kastellhalle mit 40 Metern einen erheblichen Einfluss auf die dort zu erwartenden Immissionen.
Geplanter Standort Fa. Phoenix Tower am Lehen
Die Fa. Phoenix Tower plant am Standort Lehen die Errichtung eines Mobilfunkmastes von bis zu 50 m Höhe, der allen Netzbetreibern zur Verfügung gestellt werden soll, siehe Lageplan oben und im Gutachten auf S. 10. In dieser Karte ist das erreichbare Versorgungsgebiet dieses Mastes dargestellt dargestellt.
Verdoppelt man (wegen des etwas größeren Abstands zu Waldmössingen) am Standort Lehen die Sendeleistung, was der Sendeleistung andernorts errichteter Basisstationen durchaus entspricht, so zeigt diese Karte, dass die gesamte Ortslage Waldmössingen mit mindestens 0,3 mW/m² (grün markiert) versorgt wird und somit eine Datenübertragung mit hoher Geschwindigkeit möglich wird. Am östlichen Ortsrand verbleibt ein kleineres Siedlungsgebiet ohne direkte Sichtverbindung, was teilweise durch Reflexionen und Streuung an den umliegenden gut versorgten Gebäuden ausgeglichen werden kann.
Bei Erhöhung der Antennenmontagehöhe (Masthöhe 50m) verringern sich zwar die Immissionen im Nahbereich erheblich (was hier eher bedeutungslos ist, da sich keine Besiedlung in der Nähe befindet), die kleine Versorgungslücke am östlichen Ortsrand von Waldmössingen kann dadurch allerdings nicht geschlossen werden, wie diese Karte zeigt.
Grundsätzlich ist anzumerken, dass eine kleine Versorgungslücke in einem reinen Siedlungsgebiet am Ortsrand (durch BS03 - Lehen) weniger bedeutend ist als eine Versorgungslücke im Ortszentrum (durch BS04 - Kastellhalle), da in reinen Siedlungsgebieten eine vollwertige Mobilfunkversorgung auch durch die WLAN-Versorgung der Wohngebäude und die Technik WIFI-Calling bereitgestellt werden kann.
Wegen der topographisch hochgelegenen Position wäre der Standort am Lehen weiterhin in der Lage, auch die Ortschaft Heiligenbronn zu versorgen, wo die Fa. Telekom bereits über den Standort verfügt, der allerdings (wegen der topographischen Situation) nur sehr geringfügig zur Versorgung in Waldmössingen beitragen kann, wie aus der Karte zu erkennen ist.
Sofern die Fa. Telekom auf eine Doppelversorgung von Heiligenbronn verzichten möchte, so könnte man die Telekom-Standortnutzung vom Lehen auf 2 Sektoren beschränken, die dann (etwas gedreht angeordnet) auch die Möglichkeit bieten, Waldmössingen komplett zu versorgen. In einer solchen Versorgungssituation sollten dann die von der Fa. Telekom genutzten Funksysteme (Frequenzbänder) zwischen den Standorten Wasserturm und Lehen sinnvoll auf geteilt werden, um Interferenzprobleme in Teilbereichen von Waldmössingen zu vermeiden. Angesichts der vielen für den aktuell geplanten Standort an der Kastellhalle beantragten Funksysteme besteht für eine solche Aufteilung der Frequenzbänder auf jeden Fall hinreichender Spielraum.
Mögliche weitere Alternativstandorte
BS05 und BS06 Nähe Römerkastell:
Aus Versorgungs- und Immissionssicht wäre dies ein optimaler Standort, der Waldmössingen besser versorgt als der Standort Kastellhalle. Allerdings muss der Aspekt der optischen Nähe zum Römerkastell abgewogen werden. Aus visuellen Gründen wurde der etwas weiter entfernte Standort BS06 alternativ hin zugefügt, der hier gezeigt ist.
BS07:
Dieser Standort liegt an der Landstraße L422 zwischen Waldmössingen und Winzeln .
BS08:
Dieser ist in der Nähe der Kapelle nordwestlich von Waldmössingen positioniert, dargestellt ist hier die zusätzliche Masthöhe von 40 m.
Alle diese Standorte ermöglichen eine mindestens ebenso gute oder bessere flächenmäßige Abdeckung von Waldmössingen bei geringeren Immissionen als der von der Fa. Telekom geplante Standort an der Kastellhalle. Beim Standortvorschlag BS09 (Hochspannungsmast Richtung Beffendorf) verbleibt allerdings im Ortszentrum eine ähnliche Versorgungslücke (südlich der Kirche) wie bei der Telekom-Planung Kastellhalle.
Als weiterer Vorteil zeigt sich, dass die beiden Standorte BS05 und BS07 zusätzlich die Versorgung von Winzeln übernehmen können.
Fazit
Wie im Gutachten in Kapitel 2.3 dargestellt, bietet die Mitnutzung des von der Fa. Phoenix Towers geplanten Standortes am Lehen die effizienteste und kostengünstigste Möglichkeit zur Mobilfunkversorgung von Waldmössingen. Auch für zunächst aufscheinende Probleme (Interferenzen im Zusammenwirken mit den vorhandenen Standorten am Wasserturm und Heiligenbronn wurden dort Lösungsmöglichkeiten aufgezeigt. Eine solche gemeinsame Nutzung eines Standortes entspricht auch der Anforderung des Mobilfunkpaktes 2020, eine gemeinsame Standortnutzung zu priorisieren.
Die weiterhin untersuchten Standortalternativen BS05 - Römerkastell, BS07 - Landstraße Richtung Winzeln, BS08 - bei Kapelle Waldmössingen und BS09 Hochspannungsmast Ri. Beffendorf (Gutachten Seite 9) bieten mindestens ebenso gute oder bessere Mobilfunkversorgungsmöglichkeiten als der zur Zeit von der Fa. Telekom geplante Standort BS04 und erzeugen in den Siedlungsgebieten drastisch geringere Immissionen. Die in der Diskussion befindliche Reichweitenbeschränkung von 1 km spielt bei den von der Fa. Telekom am Standort BS04 - Kastellhalle geplanten Funksystemen keine Rolle.
Download des Gutachtens als PDF
1. Gutachten Mobilfunkstandortsuche für den Ortsteil Waldmössingen der Gemeinde Schramberg
2. Reichweite, Abdeckung und Versorgungskapazität verschiedener Mobilfunkstandorte für den Ortsteil Waldmössingen der Gemeinde Schramberg
3. Lageplan der Standorte und Standortkarten als PDF