Wissenswertes

Es existiert heute eine große Anzahl an Studien, die Auswirkungen auf die Gesundheit in Zusammenhang mit Mobilfunkstrahlung aufzeigen und auch insbesondere darlegen, wie Anwohner in der Nähe von Mobilfunkmasten gesundheitliche Schädigungen erlitten. Hier wollen wir aus dieser Vielzahl nur ein paar Anregungen zum Weiterlesen und selber Recherchieren geben.  

Schützen uns die Mobilfunk-Grenzwerte?

Die Mobilfunk-Grenzwerte in Deutschland wurden 1998 von der ICNIRP festgelegt, orientieren sich ausschließlich am Schutz vor Gewebeerwärmung und gelten trotz Kritik bis heute weitgehend unverändert. 
Das Argument „Die Grenzwerte werden eingehalten“ legitimiert heute den Ausbau der Mobilfunkinfrastruktur ohne nennenswerte erneute Sicherheits- und Gesundheitsprüfungen.

Die Kritik an den Grenzwerten betrifft oft folgende Bereiche:
 

  1. Bezug auf thermische Effekte:
    Die Grenzwerte basieren hauptsächlich auf der Annahme, dass nur die Erwärmung von Gewebe durch Mobilfunkstrahlung gesundheitsschädlich sei. Nicht-thermische Effekte, also biologische Wirkungen, die ohne spürbare Erwärmung auftreten, werden oft nicht berücksichtigt, obwohl Studien Gesundheitsschädigungen weit unter den Grenzwerten zeigen (siehe z. B. Athem-3 Studie, die Gesundheitsschädigungen in der Nähe von Mobilfunkmasten aufzeigten: "Die Effekte, die wir feststellten, entstanden bei einem Faktor 100 unter den erlaubten Werten!" Quelle
  2. Veraltete oder unvollständige Forschung:
    Die Grenzwerte orientieren sich an Studien und Annahmen, die teilweise Jahrzehnte alt sind. Neuere Forschung, die auf mögliche langfristige und nicht-thermische Wirkungen hinweist, findet oft keine Berücksichtigung.
  3. Interessen der Industrie:
    Die Grenzwerte wurden von Organisationen festgelegt, in denen auch Vertreter der Mobilfunkindustrie Einfluss haben. Kritiker sehen darin einen Interessenkonflikt, der zu laxen Grenzwerten führen kann.
  4. Keine Berücksichtigung empfindlicher Gruppen:
    Die Grenzwerte berücksichtigen nicht speziell Kinder, Schwangere oder Menschen mit elektromagnetischer Überempfindlichkeit, die möglicherweise empfindlicher auf Strahlung reagieren.
  5. Fokus auf einzelne Quellen, nicht auf kumulative Belastung:
    In der Realität sind Menschen oft mehreren Quellen von elektromagnetischer Strahlung ausgesetzt (Handy, WLAN, Sendemasten). Die Grenzwerte betrachten meist nur einzelne Quellen isoliert.
  6. Grenzwerte unterscheiden sich von Land zu Land teilweise dramatisch. Wieso sind die Grenzwerte z. B. in Deutschland viel höher als in der Schweiz?


Kurz gesagt: Die bestehenden Grenzwerte sind vor allem auf Schutz vor kurzfristiger Überhitzung ausgelegt und berücksichtigen nicht ausreichend die komplexen biologischen Effekte von Mobilfunkstrahlung, wodurch ein umfassender Schutz nicht gewährleistet ist.

Mehr Informationen zu den Grenzwerten auf der Website von diagnose:funk

Naila- Studie: Nähe zu Sendeanlagen steigert das Krebsrisiko

Im Jahr 2004 erschien die Naila-Studie aus Oberfranken, die erstmals ein erhöhtes Krebsrisiko durch Mobilfunkmasten nachwies und weltweit Aufmerksamkeit erregte. Die Studie wurde von fünf niedergelassenen Ärzten unter Leitung von Dr. Horst Eger durchgeführt und wissenschaftlich von Prof. Frentzel-Beyme begleitet. Sie zeigte, dass Menschen, die bis zu 400 Meter von einem GSM-Mobilfunkmast entfernt wohnen, nach fünf Jahren eine dreifach höhere Krebsrate und ein um 8,5 Jahre jüngeres Erkrankungsalter hatten. Die Analyse basierte auf den Krankenakten der Patienten aus Naila. Obwohl Behörden die Ergebnisse anfangs anzweifelten, konnten diese Kritiken widerlegt werden. Dr. Eger forderte daraufhin Nachfolgestudien vom Bundesamt für Strahlenschutz (BfS), die jedoch nicht umgesetzt wurden.

Bis heute wurden in Deutschland anscheinend keine neuen Sendemaststudien durchgeführt!

Aufgrund der allgegenwärtigen Strahlung ist es heute fast unmöglich, belastbare Kontrollgruppen für solche Studien zu finden.  Die oben bereits erwähnte ATHEM-3-Studie (Gulati et al. 2024) ist deshalb ein Glücksfall, weil sie mit noch aussagekräftigen Versuchsbedingungen durchgeführt werden konnte.
 

Quelle 

Signifikanter Rückgang klinischer Symptome nach Senderabbau

Eine Studie aus Japan untersuchte, ob und wie sich gesundheitliche Beschwerden bei den Anwohnern einer Wohnanlage veränderten, nachdem zwei Mobilsendeantennen auf dem Dach ihrer Wohnanlage abgebaut wurden, die von 1998 bis 2009 in Betrieb gewesen waren.
 Dazu wurden 107 der 122 Bewohner im Januar und November 2009 befragt und ärztlich untersucht, wobei die erste Untersuchung während des Sendebetriebes und die zweite Untersuchung drei Monate nach dem endgültigen Abbau der Sendeantennen stattfand. Basierend auf den Ergebnissen der Gesundheitsuntersuchung wurden der Gesundheitszustand der Bewohner und dessen Änderungen während und nach dem Sendebetrieb verglichen. 

Es wurde ein signifikanter Rückgang gesundheitlicher Beschwerden nach dem Abbau der Antennen festgestellt, vor allem bei Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit, Schwindel, Müdigkeit, Hautausschlägen, Herz-Kreislauf-Beschwerden und Depressionen / Angstzuständen. 

Es handelt sich um eine der wenigen sogenannten Interventionsstudien, in der eine konkrete Maßnahme – nämlich der Abbau von Mobilfunkantennen – mit messbaren gesundheitlichen Effekten bei Anwohnern verknüpft wurde, die nahe an Mobilfunkstationen wohnten. Den Untersuchern waren keine anderen Faktoren bekannt, die während des Untersuchungszeitraums verändert worden waren und zu den Gesundheitsverbesserungen hätten führen können. 

Die deutsche Übersetzung der Studie wurde 2014 im Magazin umwelt·medizin·gesellschaft unter dem Titel „Signifikanter Rückgang klinischer Symptome nach Senderabbau – eine Interventionsstudie“ veröffentlicht.
 
 Die Veröffentlichung der 8-seitigen Studie kann in der EMF data-Datenbank als PDF heruntergeladen werden. 

Dauerbelastung durch Mobilfunkmasten

Über die Nutzung seiner persönlichen Endgeräte und der Geräte des Internets der Dinge kann jeder individuell entscheiden. Doch der Bestrahlung durch WLAN-Router, der Bestrahlung durch DECT-Telefone von Nachbarn oder dem zwangsweisen Passiv-Telefonieren ist man fast schutzlos ausgeliefert. Die Durchstrahlung unserer Wohnungen durch Mobilfunk-Sendemasten ist faktisch eine Zwangsbestrahlung. Der Protest dagegen ist berechtigt, denn zu den Auswirkungen dieser Sendeanlagen gibt es zahlreiche Studien. Das bedeutet, die Kommunen können und müssen die Strahlenbelastung minimieren durch sog. Vorsorgekonzepte.

Auf der diagnose:funk Datenbank www.emfdata.org sind fast alle Sendemaststudien dokumentiert.

Wir legen euch zur weiteren Information die Website von diagnose:funk ans Herz.
diagnose:funk ist eine deutsche Umwelt- und Verbraucherorganisation, die sich kritisch mit den gesundheitlichen und gesellschaftlichen Auswirkungen von elektromagnetischen Feldern und Mobilfunktechnologien auseinandersetzt. Sie informiert durch Studienanalysen, Publikationen und Bildungsarbeit über mögliche Risiken nicht-ionisierender Strahlung, insbesondere durch Mobilfunk, WLAN und 5G. Ziel der Organisation ist es, einen vorsorgenden Gesundheitsschutz zu fördern und eine breite öffentliche Debatte über den Umgang mit Funktechnologien anzustoßen